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Johann BauerfeindSachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen und am GebäudeErsteinschätzung
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Messmethoden / Messverfahren

Messplanung und Analytik

Messverfahren: was welche Methode zeigt.

Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt vom Untersuchungsziel ab.

Das Messkonzept lege ich für das jeweilige Objekt fest.

Direktmikroskopie einer Materialprobe: Myzel und Sporen
Direktmikroskopie Echte Probe aus einem Ortstermin, anonymisiert.

Was vor der Messung geklärt werden muss

Vor einer Probenahme sind vier Fragen entscheidend:

  1. Was soll festgestellt werden? Ursache, Raumluftbelastung, Quelle im Bauteil oder Sanierungserfolg.
  2. Wo liegt der Verdacht? Im Raum, an einer Oberfläche, im Bauteil oder in mehreren Bereichen.
  3. Unter welchen Bedingungen wird gemessen? Nutzung, Lüftung, Raumklima und Vorarbeiten beeinflussen das Ergebnis.
  4. Welche Entscheidung folgt daraus? Weitere Erkundung, Sanierung, Nutzung mit Bedingungen oder eine dokumentierte Erfolgskontrolle.

Normbezug: DIN-/ISO-Normen und VDI-Richtlinien regeln Probenahme, Messbedingungen, Analytik und Qualitätssicherung. Sie ersetzen nicht die objektbezogene Messplanung.[1][2]

Orientierung

Fragestellung und geeignetes Verfahren

Schimmel und unklare FeuchteursacheSichtbarer Befund oder wiederkehrender Schaden
Begehung, Feuchte, Temperatur, Thermografiebei Bedarf Material- oder Oberflächenprobe
Das Ergebnis ist zunächst eine Ursachenhypothese.
Getrockneter oder zurückliegender WasserschadenOberfläche bereits gereinigt oder getrocknet
Materialprobe, Direktmikroskopie oder Gesamtsporenzahlje nach Frage an Material oder Raumluft
Die Untersuchung erfasst vorhandene Pilzbestandteile, auch ohne Lebendkeimnachweis.
Chemischer Geruch nach Renovierung oder MöblierungGeruch, Reizung oder unklare Raumluft
Formaldehyd- oder VOC-Messungaktive oder passive Probenahme mit Laboranalyse
Die Konzentration wird für die Messbedingungen dokumentiert, die Quelle gegebenenfalls gesondert gesucht.
Umbau, Kauf oder Öffnung eines AltbausBaujahr, Materialien und frühere Nutzung relevant
Schadstofferkundung mit Materialprobenzum Beispiel PCB, PAK, PCP oder Lindan
Die Probenahme bezieht sich auf bestimmte Bauteile, keine Raumluftmessung ersetzt das.

Schimmelpilzdiagnostik

Vier Verfahren mit unterschiedlichen Aussagen

Bei Schimmel müssen Ortsbefund, Bauphysik und Laborbefund zusammen betrachtet werden.

01 · Vor-Ort-UntersuchungBauzustand

Feuchte, Temperatur und Thermografie

Ich messe unter anderem Materialfeuchte, Raumtemperatur, Oberflächentemperatur und Wärmeverteilungen.

Aussage

Das Verfahren zeigt, ob ein Feuchtepfad oder eine kalte Oberfläche plausibel ist.

Grenze: Thermografie weist keinen Schimmel nach, nur einen Hinweis für die weitere Untersuchung.

Messstrategie: VDI 4300 Blatt 1 und objektbezogene bauphysikalische Untersuchung.[2]

02 · Material und OberflächeQuellennah

Material- und Oberflächenprobe

Ich nehme die Probe an einer auffälligen Stelle, je nach Material mit Direktmikroskopie oder Kultivierung.

Aussage

Die beprobte Stelle lässt sich auf Pilzstrukturen untersuchen, das hilft bei der Quellensuche.

Grenze: Der Befund gilt für die Probe und ihren Entnahmeort, nicht automatisch für den gesamten Raum.

Normbezug: DIN ISO 16000-21, Probenahme von Materialien.[1]

03 · RaumluftGesamtsporen

Bestimmung der Gesamtsporenzahl

Gesammelte Partikel werden mikroskopisch ausgewertet, auch nicht mehr keimfähige Sporenbestandteile.

Aussage

Bei einem alten oder getrockneten Schaden bildet sie die Belastung oft besser ab als ein Wachstumsverfahren.

Grenze: Der Wert wird mit Probenahme, Raumzustand und Referenzbereichen bewertet, kein alleiniger Gesundheitsgrenzwert.

Normbezug: DIN ISO 16000-20.[1]

04 · RaumluftKultivierung

Luftkeimzahl und Impaktion

Luft wird auf ein Nährmedium abgeschieden, die gewachsenen Kolonien werden gezählt und bestimmt.

Aussage

Das Verfahren liefert Hinweise auf lebensfähige Schimmelpilze und eignet sich für Bereichsvergleiche.

Grenze: Nicht jeder Pilz wächst unter den gewählten Bedingungen, ein unauffälliges Ergebnis schließt andere Bestandteile nicht aus.

Normbezug: DIN ISO 16000-17 für Kultivierung sowie DIN ISO 16000-18 für Impaktion; je nach Probenahme auch DIN ISO 16000-16.[1]

Chemische Schadstoffe

Materialbefund und Raumluftbefund getrennt betrachten

Beide Befundarten beantworten verschiedene Fragen. Der eine ersetzt den anderen nicht.

Bauteil- und Materialbefund

Frage
Was lässt sich am beprobten Material oder Aufbau feststellen.
Bezugsbereich
Die Probe und ihr Entnahmeort.
Grenze
Keine automatische Aussage über den gesamten Raum oder die Raumluft.
Entscheidung
Gezielte Probenahme aus einem konkreten Bauteil, wenn es um Rückbau, Entsorgung oder Quelle geht.

Raumluftbefund

Frage
Welche Stoffe oder Partikel wurden unter dokumentierten Raumbedingungen in der Luft erfasst.
Bezugsbereich
Messort, Messzeit und die dokumentierten Raum- und Nutzungsbedingungen.
Grenze
Kein automatischer Quellenbeweis und keine Charakterisierung des Materials.
Entscheidung
Geeignete Raumluftstrategie, wenn die Frage die Luft betrifft, nicht das Bauteil.

Die Vergleichstabelle gilt für Schimmel wie für chemische Stoffe. Unten die Verfahren im Einzelnen.

05 · RaumluftFormaldehyd

Formaldehydmessung

DIN EN ISO 16000-2 regelt die Probenahmestrategie, DIN ISO 16000-3 die aktive und DIN ISO 16000-4 die passive Probenahme.

Geeignet bei

Verdacht auf Emissionen aus Holzwerkstoffen, Möbeln, Beschichtungen oder nach Renovierungsarbeiten.

Grenze: Der Messwert gilt für die dokumentierten Bedingungen, Lüftung, Raumklima und Nutzung eingeschlossen.

Normbezug: DIN EN ISO 16000-2 sowie DIN ISO 16000-3/-4.[1]

06 · RaumluftVOC

VOC-Screening mit Sorptionsröhrchen

Die Raumluft wird aktiv über ein Sorptionsröhrchen wie Tenax TA geführt, im Labor folgen Thermodesorption und Gaschromatographie.

Geeignet bei

Gerüchen oder Reizungen nach Renovierung, Neumöblierung, Bodenverlegung oder bei unklaren organischen Emissionen.

Grenze: Das Screening zeigt nachweisbare Verbindungen, weist die Quelle aber nicht automatisch nach.

Normbezug: Strategie DIN EN ISO 16000-5:2007, Analytik DIN ISO 16000-6:2022-03. VDI 4300 Blatt 6 wird nicht mehr herangezogen (zurückgezogen).[1][4]

07 · GebäudebestandPCB / PAK

PCB, PAK und verwandte Stoffgruppen

Vor der Probenahme erfasse ich Baujahr, Bauteil und geplanten Eingriff; DIN EN ISO 16000-12 und VDI 4300 Blatt 2 regeln die Probenahmestrategie.

Geeignet bei

Umbau, Kauf oder Sanierung mit möglicherweise belasteten Fugen, Beschichtungen oder Klebern.

Grenze: Eine Probe steht für den beprobten Aufbau, eine Raumluftmessung ersetzt keine Materialerkundung.

Normbezug: DIN EN ISO 16000-12 und VDI 4300 Blatt 2.[1][2]

08 · GebäudebestandPCP / Lindan

Holzschutzmittel in älteren Bauteilen

Bei älteren Holzbauteilen und Dachkonstruktionen mit PCP- oder Lindan-Verdacht regelt VDI 4300 Blatt 4 die Messstrategie.

Geeignet bei

Historischer Holzschutzbehandlung, auffälligem Geruch oder einer geplanten Bearbeitung von Holzbauteilen.

Grenze: Luft- und Materialbefund beantworten unterschiedliche Fragen, ein Geruchshinweis allein ist kein Nachweis.

Normbezug: VDI 4300 Blatt 4; das Laborverfahren richtet sich nach Medium und Untersuchungsziel.[2]

Typischer Ablauf

Wie die Auswahl abläuft

01

Getrockneter Wasserschaden

Erst die Material- oder Oberflächenprobe an der früheren Schadensstelle. Sie zeigt näher als eine Raumluftmessung, ob noch Pilzmaterial vorhanden ist.

02

Geruch nach Renovierung

Erst Raum und Zeitpunkt festlegen, dann die Raumluft auf Formaldehyd und VOC messen. Die Messung erfasst die Konzentration. Die Quellenzuordnung folgt danach.

03

Altbau vor einer Öffnung

Erst die Bestandsaufnahme: Baujahr, Materialschichten und frühere Nutzung. Dann Materialproben aus dem Aufbau. Eine Raumluftmessung allein beschreibt den Aufbau nicht ausreichend.

Aussagegrenze: Kein Verfahren untersucht „alle Schadstoffe“. Ein Befund gilt für das untersuchte Medium, den Probenort und die Messbedingungen.

Was im Ergebnis dokumentiert werden sollte

  • Untersuchungsziel und Auswahl des Verfahrens
  • Probenort, Raum, Datum und relevante Bedingungen
  • Mess- oder Laborverfahren, Proben-ID und Ergebnis
  • Bewertung, Unsicherheiten und noch offene Fragen

Quellen und Normbezug

Die Normbezeichnungen dieser Seite stammen aus meiner fachlichen Wissensbasis. Vor der Beauftragung gleiche ich Normausgabe und Aufgabenstellung nochmals ab.

  1. DIN Media, Normenrecherche: Normenreihe DIN/ISO 16000, unter anderem Teile 2 bis 6, 16 bis 21 und 12.
  2. VDI-Richtlinien: VDI 4300, unter anderem Blatt 1, 2 und 4.
  3. Umweltbundesamt, Schimmelleitfaden: fachliche Orientierung zur Bewertung von Schimmelbefunden in Innenräumen.
  4. DIN Media, VDI 4300 Blatt 6: zurückgezogen; empfohlen wird stattdessen DIN EN ISO 16000-5:2007-05; Analytik nach DIN ISO 16000-6:2022-03.