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Ratgeber / Geruch trotz unauffälliger VOC-Messung

Innenraumluft · Geruch

Geruch trotz unauffälliger VOC-Messung

Von Johann Bauerfeind · Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen und am Gebäude
Veröffentlicht:

Heller Wohnraum mit großem Fenster, grauem Sofa und niedrigem Holzschrank
Symbolbild

Ein Raum riecht auffällig, doch die VOC-Untersuchung wird als unauffällig beschrieben. Wie kann das zusammenpassen?

Der Befund bezieht sich auf die untersuchten Stoffe unter den dokumentierten Messbedingungen. Ob eine Geruchsquelle damit ausreichend untersucht wurde, ist eine weitere Frage. Für die nächsten Schritte sind Messumfang, Zeitpunkt und die räumliche Verteilung des Geruchs wichtig.

Was bedeutet „unauffällig“ im vorliegenden Bericht?

Zuerst sollte geklärt werden, worauf sich die Aussage bezieht. Wurden bestimmte Einzelstoffe mit Richtwerten verglichen? Wurde nur eine Summe betrachtet? Oder meint „unauffällig“, dass die erfassten Stoffe innerhalb statistischer Vergleichswerte liegen?

Gesundheitliche Beurteilungswerte, statistische Referenzwerte und Geruchsleitwerte beantworten unterschiedliche Fragen. Der AIR-Leitfaden trennt diese Bewertungswege. Er weist auch darauf hin, dass Geruchsbeschwerden auftreten können, ohne dass eine Überschreitung eines Geruchsleitwertes festgestellt wird. Zudem liegen solche Werte nur für einen begrenzten Teil der Stoffe vor. [1]

Deshalb sollte die Formulierung im Bericht zusammen mit der Stoffliste, dem Bewertungsmaßstab und dem Messprotokoll gelesen werden.

Hat die Untersuchung den Geruch überhaupt getroffen?

Gerüche können zeitweise auftreten. Wenn der Raum beim Termin anders genutzt oder kurz zuvor anders gelüftet wurde, muss die Luftprobe nicht dieselbe Situation abbilden wie die wiederkehrende Auffälligkeit.

Auch der Untersuchungsumfang spielt eine Rolle. Nicht jede chemische Verbindung wird mit jedem Probenmedium und Verfahren gleich gut erfasst. Eine zielgerichtete Untersuchung beginnt daher mit der Frage, welche Stoffe aufgrund der Beobachtungen und Materialien infrage kommen.

Der Forschungsbericht „Geruchsbeschwerden in Innenräumen“ beschreibt die Vielfalt der Quellen und die Verbindung von chemischer Untersuchung und fallspezifischer Quellensuche. Er macht deutlich, dass die Zuordnung eines Geruchs nicht auf das Ablesen eines Summenwerts reduziert werden kann. [2]

Welche Beobachtungen helfen bei der Quellensuche?

Ein knappes Geruchsprotokoll kann die Planung unterstützen:

  • In welchem Raum und an welcher Stelle ist der Geruch wahrnehmbar?
  • Seit wann tritt er auf und was wurde davor verändert?
  • Ist er ständig vorhanden oder nur zu bestimmten Zeiten?
  • Ändert er sich nach dem Lüften oder bei bestimmten Tätigkeiten?
  • Sind neue Möbel, Bodenbeläge, Beschichtungen oder Reinigungsmittel hinzugekommen?
  • Gibt es einen bereits vorhandenen Messbericht mit dokumentierten Bedingungen?

Beschreiben Sie den Geruch mit eigenen Worten. Bezeichnungen wie „süßlich“, „muffig“ oder „lösemittelartig“ sind Beobachtungen. Sie sind noch keine chemische Stoffbestimmung.

Raumluft, Material und Quelle nicht verwechseln

Eine Raumluftprobe untersucht die Luft am gewählten Messort. Eine Materialuntersuchung kann klären, ob ein verdächtiges Material bestimmte Stoffe enthält oder unter festgelegten Bedingungen abgibt. Eine gezielte Quellprobe betrachtet wiederum einen engeren Bereich.

Diese Untersuchungen können aufeinander aufbauen. Eine Auffälligkeit direkt an einer Quelle lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres auf die gesamte Wohnung übertragen. Umgekehrt identifiziert ein Raumluftwert allein nicht sicher das verursachende Möbelstück oder Bauteil.

Für einen sinnvollen nächsten Schritt muss deshalb feststehen, ob die vorhandene Probe die Raumluftsituation oder eine Quellenhypothese beantworten sollte.

Wie kann die Untersuchung weitergehen?

Zunächst werden vorhandener Bericht, Probenahmebedingungen und Beobachtungen zusammengeführt. Danach lässt sich prüfen, ob eine Begehung, eine zeitlich passendere Raumluftprobe oder eine gezielte Material- oder Quellenuntersuchung die offene Frage am besten klärt.

Eine Wiederholung desselben Analysepakets unter denselben ungeeigneten Bedingungen würde wenig zusätzliche Information liefern. Ebenso wenig ist es sinnvoll, ohne Anhaltspunkt alle Gegenstände aus einem Raum entfernen zu lassen.

Die technische Geruchsuntersuchung ersetzt keine medizinische Einordnung von Beschwerden. Auch aus einer Geruchsbeschreibung allein lässt sich eine solche Einordnung nicht ableiten.

Weitere Informationen: Geruch in Innenräumen untersuchen und Messmethode für VOC und Formaldehyd. Eine konkrete Frage können Sie über die Kostenlose Ersteinschätzung schildern.

Quellen

[1] AIR: Bewertung von chemischen Innenraumluftverunreinigungen auf der Grundlage von Messergebnissen (2025). Geruchsleitwerte und statistische Bewertung insbesondere Druckseiten 196–198, PDF-Seiten 7–9. Leitfaden, Geruchsleitwerte.

[2] Hofmann, H.; Schmidt, M.; Thumulla, J. (2023): Geruchsbeschwerden in Innenräumen – Auswertung von Daten zu VOC-Vorkommen und Quellensuche. UBA-Texte 11/2023. Publikation und Download. Forschungsbericht im Auftrag des Umweltbundesamtes, keine Norm.