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Ratgeber / Vor der VOC-Messung lüften oder Fenster geschlossen halten?

Innenraumluft · VOC

Vor der VOC-Messung lüften oder Fenster geschlossen halten?

Von Johann Bauerfeind · Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen und am Gebäude
Veröffentlicht:

Heller Raum mit mehrteiligem Fenster, Holzstuhl mit blauem Sitzkissen und grauem Boden
Symbolbild

Vor einer Raumluftmessung stellt sich oft eine praktische Frage: Sollen die Fenster geschlossen bleiben, oder soll wie gewohnt gelüftet werden?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Die Vorbereitung richtet sich danach, was mit der Messung geklärt werden soll. Eine Untersuchung unter üblicher Nutzung beantwortet eine andere Frage als eine Untersuchung unter gezielt festgelegten Ausgleichsbedingungen. Beides muss im Messbericht erkennbar sein. [1]

Erst die Frage festlegen

Eine VOC-Messung kann unterschiedliche Ziele haben:

  • Die Raumluft unter typischen Nutzungsbedingungen erfassen.
  • Eine Auffälligkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt untersuchen.
  • Hinweise auf Emissionen aus Materialien oder Gegenständen gewinnen.
  • Den Zustand vor und nach einer Veränderung vergleichen.
  • Einen konkreten Stoff gegenüber einem geeigneten Beurteilungswert einordnen.

Daraus folgen die Auswahl der Räume, der Zeitpunkt, die Probenahmedauer und die Bedingungen vor der Messung. Die DIN EN ISO 16000-5:2007-05 behandelt die Probenahmestrategie für VOC und unterscheidet ausdrücklich verschiedene Messziele. [2]

Nutzungsbedingungen und Ausgleichsbedingungen unterscheiden

Bei einer Messung unter Nutzungsbedingungen geht es darum, die tatsächliche Nutzung angemessen abzubilden. Dazu gehören Personen, Lüftung und die üblichen Tätigkeiten im Raum. Eine zuvor absichtlich leergeräumte oder ungewöhnlich stark gelüftete Wohnung kann eine andere Situation darstellen als diejenige, um die es ursprünglich ging.

Bei Ausgleichsbedingungen wird der Raumzustand vor der Probenahme gezielt festgelegt. Eine solche Untersuchung kann für eine bestimmte Fragestellung sinnvoll sein. Ihr Ergebnis sollte aber nicht ohne Weiteres als üblicher Tageszustand gelesen werden.

Der AIR-Leitfaden erläutert die Unterscheidung und die Bedeutung einer passenden Probenahmestrategie. [1] Eine einzelne Vorgabe wie „Fenster immer über Nacht schließen“ ersetzt diese Planung nicht.

Welche Angaben ins Protokoll gehören

Für die spätere Einordnung sollten mindestens die untersuchte Situation und die relevanten Randbedingungen nachvollziehbar sein:

  • Raum, Messort, Datum und Uhrzeit.
  • Zeitraum und Verfahren der Probenahme.
  • Lüftung vor und während der Untersuchung, einschließlich mechanischer Lüftung.
  • Temperatur, relative Luftfeuchte und auffällige Abweichungen von der üblichen Situation.
  • Nutzung und Ereignisse wie Reinigung, Renovierung oder das Aufstellen neuer Möbel.
  • Das Messziel und Abweichungen von der vereinbarten Vorbereitung.

Welche weiteren Angaben nötig sind, hängt vom Verfahren und der konkreten Aufgabe ab. Gerätefluss, Probenvolumen, Probenmedium und Qualitätssicherung werden mit dem ausführenden Labor abgestimmt.

Warum zwei Messungen nicht direkt vergleichbar sein müssen

Ein niedrigerer Wert bei einem zweiten Termin ist zunächst ein anderer Messwert. Für die Aussage, dass eine Maßnahme die Raumluft verbessert hat, müssen die relevanten Bedingungen beider Untersuchungen ausreichend vergleichbar sein.

Zu prüfen sind insbesondere Lüftung, Nutzung, Raumklima, Messort, Probenahmedauer und analytischer Umfang. Bei TVOC kommt die Art der Summenberechnung hinzu. Der AIR-Leitfaden weist ausdrücklich auf unterschiedliche Mess- und Berechnungsverfahren hin. [1]

Wenn Bedingungen abweichen, muss das im Vergleich erläutert werden. Es ist nicht sinnvoll, die Abweichungen erst nachträglich zu bemerken, nachdem aus zwei Zahlen bereits ein Sanierungserfolg abgeleitet wurde.

Strategie, Probenahme und Bewertung sind verschiedene Schritte

Die Probenahmestrategie legt fest, wann, wo und unter welchen Bedingungen untersucht wird. Das analytische Verfahren bestimmt, wie die Probe untersucht wird.

Ein einschlägiges Verfahren beschreibt die DIN ISO 16000-6:2022-03: aktive Probenahme auf Adsorptionsröhrchen, thermische Desorption und Gaschromatographie mit MS oder MS-FID zur Bestimmung organischer Verbindungen in Innenraum- und Prüfkammerluft. [3]

Die Nennung dieses Verfahrens sagt noch nicht, dass ein beliebiges Analysepaket alle fraglichen Stoffe abdeckt. Ebenso ergibt sich aus einer Normnummer allein keine Bewertung des Raums. Für Formaldehyd und andere gezielt gesuchte Verbindungen muss vorab geklärt werden, welche zusätzliche Probenahme und Analytik erforderlich ist.

So bereiten Sie einen Termin vor

Schildern Sie zuerst den Anlass und geben Sie vorhandene Messberichte weiter. Nennen Sie Veränderungen im Raum und Zeiten, zu denen eine Auffälligkeit auftritt. Lassen Sie sich die Vorbereitung passend zur Messfrage erläutern. Falls die vereinbarten Bedingungen nicht eingehalten werden konnten, teilen Sie das vor der Probenahme mit.

Eine Raumluftmessung beschreibt die Luft zum Zeitpunkt der Messung. Die medizinische Einordnung von Beschwerden gehört in ärztliche Hände.

Weitere Informationen: Messmethode für VOC und Formaldehyd und Kostenlose Ersteinschätzung.

Quellen

[1] AIR: Bewertung von chemischen Innenraumluftverunreinigungen auf der Grundlage von Messergebnissen (2025). Messstrategie insbesondere Druckseiten 191–192, PDF-Seiten 2–3, Vergleich und TVOC Druckseiten 197–198, PDF-Seiten 8–9. Leitfaden, Messstrategie.

[2] DIN EN ISO 16000-5:2007-05: Innenraumluftverunreinigungen – Teil 5: Probenahmestrategie für flüchtige organische Verbindungen (VOC). DIN-Media-Katalogeintrag mit Geltungsbereich.

[3] DIN ISO 16000-6:2022-03: Innenraumluftverunreinigungen – Teil 6: Bestimmung organischer Verbindungen (VVOC, VOC, SVOC) in Innenraum- und Prüfkammerluft durch aktive Probenahme auf Adsorptionsröhrchen, thermischer Desorption und Gaschromatographie mit MS oder MS-FID. DIN-Media-Katalogeintrag mit Geltungsbereich.