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Ratgeber / Schimmel an der Außenwand: Liegt es am Lüften oder am Gebäude?

Schimmel · Ursache

Schimmel an der Außenwand: Liegt es am Lüften oder am Gebäude?

Von Johann Bauerfeind · Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen und am Gebäude
Veröffentlicht: · Aktualisiert:

Oft an beidem. Schimmel wächst dort, wo die Wand kalt und die Luft daran feucht wird. Wie kalt die Wand wird, hängt vom Gebäude ab. Wie feucht die Luft ist, hängt auch vom Heizen und Lüften ab. Welcher Anteil überwiegt, lässt sich meist erst nach einer Untersuchung von Bauteil und Nutzung einordnen. [1]

Bis zu einer Klärung können Sie selbst einiges beobachten. Ein einfaches Messgerät und ein Protokoll über einige Wochen geben erste Hinweise und helfen, eine Begehung gezielt zu planen. Kommt der Schimmel wieder oder ist unklar, ob Gebäude, Nutzung oder beides beteiligt sind, ist eine Begehung sinnvoll.

Warum wächst Schimmel gerade an der Außenwand?

Schimmel braucht vor allem Feuchte. Im Winter kühlt die Innenseite der Außenwand ab, während der Raum warm bleibt. Die Luft direkt an der Wand kühlt mit ab. Kalte Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen. Deshalb steigt an der Wand die relative Luftfeuchte, also der Anteil des Wasserdampfs am möglichen Höchstwert. [1]

Ein Beispiel aus dem Leitfaden des Umweltbundesamts (UBA): Im Raum herrschen 22 °C und 50 Prozent Luftfeuchte. An einer 14,5 °C kalten Wand sind es rund 80 Prozent. Das begünstigt Schimmel. Wird die Wand kälter als etwa 11 °C, schlägt sich Wasser auf ihr nieder. [1]

Besonders kalt wird es in Außenwandecken und hinter Möbeln, die dicht an der Außenwand stehen. Dorthin kommt wenig warme Raumluft. Deshalb zeigt sich Schimmel dort besonders häufig. Auch ein lange gekipptes Fenster kühlt im Winter die Wandflächen am Fenster aus. [1]

Gebäude oder Nutzung: Was spielt mit?

Zum Gebäude gehören zum Beispiel eine unzureichende Wärmedämmung und Wärmebrücken. Das sind Stellen, an denen mehr Wärme nach außen abfließt als in der übrigen Wand. Zur Nutzung gehören unzureichendes oder ungeeignetes Heizen und Lüften. [1]

Oft kommt beides zusammen. Eine Wärmebrücke, ein kühler Raum und viel Feuchte in der Luft können gemeinsam Schimmel verursachen, obwohl jeder Punkt für sich allein nicht ausgereicht hätte. [1]

Was zeigt ein Thermo-Hygrometer?

Ein Thermo-Hygrometer misst Temperatur und Luftfeuchte. Einfache elektronische Geräte gibt es günstig im Baumarkt. Laut UBA eignen sie sich, um selbst zu prüfen, ob der Raum warm genug ist und ob genug gelüftet wurde. Die Werte erlauben aber nur eine grobe Einschätzung. [1]

Das Gerät misst die Luft an der Stelle, an der es steht. Wie kalt die Wandoberfläche ist, zeigt es nicht. Genau davon hängt aber ab, ob es an der Wand feucht genug für Schimmel wird. Nach dem UBA-Leitfaden wird die Feuchte an der Wandoberfläche deshalb in der Regel aus Luftfeuchte, Raumtemperatur und der gemessenen Temperatur der Wandoberfläche berechnet. [1]

Ein einzelner Wert sagt wenig, denn Messwerte schwanken laut UBA stark. Die Luftfeuchte ändert sich mit Kochen, Duschen, Schlafen und Lüften. Notieren Sie die Werte deshalb über mehrere Wochen. [1]

Woher kommt die Feuchte im Winter?

Ein Haushalt mit drei Personen gibt laut UBA etwa 6 bis 12 Liter Wasser am Tag an die Raumluft ab, durch Atmen, Kochen, Duschen und Wäsche. Wäsche, die in der Wohnung trocknet, bringt besonders viel Feuchte in die Luft. In wenig beheizten Schlafzimmern kommt nachts Feuchte durch Atmen hinzu. [1]

Lüften ist das wirksamste Mittel, um Feuchte aus der Wohnung zu bringen. Kalte Außenluft enthält wenig Wasser, auch bei Regen. Erwärmt sie sich im Raum, nimmt sie Feuchte auf, die beim nächsten Lüften mit hinausgeht. Durch eine intakte Wand findet dagegen kein Luftaustausch statt. [1]

Am besten wirken Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster und Querlüften, bei dem gegenüberliegende Fenster gleichzeitig offen sind. Ein dauerhaft gekipptes Fenster bringt deutlich weniger. Feuchte Luft aus Bad und Küche lüften Sie am besten gleich nach dem Duschen oder Kochen über das weit geöffnete Fenster hinaus. Lassen Sie dabei die Tür zu und lüften Sie dort nicht quer, damit die feuchte Luft nicht in andere Räume zieht. Möbel an einer schlecht gedämmten Außenwand sollten einige Zentimeter Abstand haben, damit warme Luft dahinter strömen kann. [1]

So führen Sie ein Raumklima-Protokoll

Stellen Sie das Gerät in den betroffenen Raum. Messen Sie zwischendurch auch nahe der befallenen Ecke oder Wand. Notieren Sie über mehrere Wochen zu festen Zeiten, zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen und abends:

  • Datum, Uhrzeit und die Außentemperatur laut Wetterbericht.
  • Raumtemperatur und Luftfeuchte in der Raummitte und nahe der befallenen Stelle.
  • Wann und wie Sie gelüftet haben und wie lange.
  • Wie geheizt wurde, auch nachts und wenn niemand zu Hause war.
  • Duschen, Kochen und Wäschetrocknen in der Wohnung.
  • Wie die Stelle aussieht, am besten mit einem Foto aus gleichem Abstand.

Wenn Sie Ihr Lüften oder Heizen ändern, notieren Sie das mit Datum. Dann lässt sich später sehen, ob sich die Werte und die Stelle danach verändert haben. Das Protokoll ersetzt keine Messung an der Wand. Es hilft aber, eine Begehung gezielt zu planen. Ist eine Begehung geplant, lassen Sie die Stelle bis dahin unverändert. Fotografieren Sie sie in jedem Fall.

Wann hilft eine Begehung?

Eine Begehung hilft, wenn der Schimmel wiederkommt oder unklar ist, ob Gebäude, Nutzung oder beides beteiligt sind. Ist die Ursache dagegen klar erkennbar, braucht es nach dem UBA-Leitfaden in der Regel keine weitere Untersuchung. Dann wird die Ursache abgestellt und der Befall zeitnah beseitigt. [1]

Bei der Begehung messe ich Raumtemperatur, Luftfeuchte und die Temperatur der Wandoberfläche. Dazu kommt die Materialfeuchte, also wie feucht Putz und Mauerwerk sind. Ist es draußen deutlich kälter als drinnen, macht die Thermografie, eine Wärmebildaufnahme, kalte Stellen und Wärmebrücken sichtbar. Sie zeigt, wo sich Feuchte bilden kann, ist aber kein Schimmelnachweis. Ob an der Stelle Schimmel wächst, zeigt bei Bedarf eine Klebefilmprobe: Ein Klebestreifen nimmt Material von der Stelle auf, und ich untersuche es unter dem Mikroskop. Ein negativer Einzelbefund schließt einen Schaden nicht aus. Proben biete ich nach Umfang gesondert an. Dazu kommen Fragen zur Nutzung des Raums. [1]

Im Kurzbericht ordne ich ein, ob die Ursache eher baulich, nutzungsbedingt oder beides ist. Diese Einordnung ist technisch. Wer die Kosten trägt, ist eine rechtliche Einzelfallfrage. Was die Begehung kostet, steht im Ratgeber Schimmelgutachten: Was kostet es und wer zahlt?

Was Sie vor der Anfrage bereithalten

Fotografieren Sie die Stelle aus der Nähe und den ganzen Raum, bevor Sie etwas reinigen oder überstreichen. Notieren Sie, seit wann der Schimmel auftritt, was an der Wand steht und ob schon jemand gemessen hat. Legen Sie Ihr Raumklima-Protokoll dazu.

Schicken Sie mir Fotos und Ihr Protokoll. Wir telefonieren, und ich sage Ihnen ehrlich, ob sich eine Begehung lohnt. Diese Ersteinschätzung ist kostenlos: Kostenlose Ersteinschätzung.

Mehr dazu: Schimmel, Feuchte und Wasserschaden untersuchen und Schimmelgutachter in Leipzig.

Fachlicher Hintergrund

Der Leitfaden des Umweltbundesamts unterscheidet drei Gruppen von Einflussgrößen. Bauliche sind etwa unzureichende Dämmung, Wärmebrücken, Leckagen, Neubaufeuchte und aufsteigende Feuchte. Nutzungsbedingt ist unzureichendes oder unsachgemäßes Heizen und Lüften. Sonstige sind Havarien und Hochwasser. [1]

Die Feuchte an der Oberfläche von Außenwänden wird in der Regel nicht direkt gemessen. Sie wird aus Raumluftfeuchte, Raumluft- und Oberflächentemperatur berechnet. Eine einmalige Messung der Oberflächentemperatur gibt nur bei deutlichem Temperaturunterschied zwischen innen und außen einen Hinweis auf Wärmebrücken. Messungen der Oberflächentemperatur über längere Zeit sind aussagekräftiger. Sie sollten laut UBA Fachleuten mit passender Ausrüstung und Erfahrung vorbehalten bleiben. Temperatur und Luftfeuchte im Raum und an kritischen Stellen können Bewohner dagegen selbst prüfen. [1]

Gerechnete Beispielwerte des Leitfadens zeigen, wie stark die Raumluftfeuchte mitspielt. In einem gut gedämmten Gebäude erreicht die Außenecke hinter einem Schrank bei 20 °C und 50 Prozent Raumluftfeuchte 73 Prozent Feuchte an der Oberfläche. Bei 60 Prozent Raumluftfeuchte sind es dort 88 Prozent, und das ermöglicht Schimmel. In unzureichend gedämmten Altbauten liegt die Feuchte an der Oberfläche hinter Möbeln noch höher. In der Außenecke kann sich Tauwasser bilden, also Wasser aus der Raumluft. [1]

Der Leitfaden enthält einen Ursachenbaum nach Oswald (2003), überarbeitet vom Aachener Institut für Bauschadensforschung (2014). Er richtet sich auch an Bewohner und Eigentümer. In schwerwiegenden oder komplizierteren Fällen ersetzt er keine unabhängigen Sachverständigen. [1]

Raumseitige Thermografie misst die Oberflächentemperatur berührungslos. Material, Bauweise, Wetter, Sonneneinstrahlung und Einrichtung beeinflussen das Bild. Deshalb gehört die Auswertung in erfahrene Hände. [1]

Quellen

[1] Umweltbundesamt (Hrsg.): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. Stand April 2024. Besonders Kapitel 3 zu den Ursachen (Druckseiten 47–67, PDF-Seiten 49–69), Kapitel 4 zum Lüften (Druckseiten 75–78, PDF-Seiten 77–80) und Kapitel 5.1 zur Ortsbegehung (Druckseiten 90–92, PDF-Seiten 92–94). Publikation beim Umweltbundesamt.